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"Ich bin gut so, wie ich bin" - Bist du sicher?

Viele Menschen versuchen, ihr Selbstbild zu verändern, indem sie sich positive Sätze sagen. „Ich bin stark.“ „Ich bin selbstbewusst.“ „Ich bin gut so, wie ich bin.“ Und ich verstehe den Wunsch dahinter, weil niemand jeden Tag mit einer inneren Stimme leben möchte, die einen kleinmacht. Trotzdem glaube ich nicht, dass Selbstvertrauen hauptsächlich dadurch entsteht, dass man sich bessere Gedanken einredet. Das Problem ist nämlich: Auf welcher Grundlage soll ich mir glauben, wenn mein Verhalten mir ständig das Gegenteil beweist?


Gedanken allein verändern nicht dein Selbstbild


Du kannst dir jeden Morgen sagen, dass du diszipliniert bist, aber wenn du nie tust, was du dir vornimmst, wird dein Nervensystem dir nicht glauben. Du kannst dir sagen, dass du selbstbewusst bist, aber wenn du jeder Konfrontation ausweichst, jede Grenze schluckst und nie für dich einstehst, bleibt dieser Satz im Kopf hängen und kommt nicht in der Realität an.


Selbstwahrnehmung entsteht nicht nur durch Gedanken, sondern durch Erfahrung. Man glaubt sich selbst erst dann, wenn man erlebt, dass man die Person ist, die man gerne wäre.


Selbstvertrauen entsteht durch Beweise


Selbstvertrauen entsteht, wenn man sich selbst immer wieder kleine Beweise liefert. Nicht durch große perfekte Transformationen, sondern durch konkrete Handlungen. Man geht zum Sport, obwohl man keine Lust hat. Man sagt Nein, obwohl es unangenehm ist. Man schreibt die Bewerbung, obwohl man Angst hat. Man spricht ehrlich aus, was man denkt. Und nach und nach entsteht ein anderes Bild von sich selbst, nicht weil man es sich eingeredet hat, sondern weil man es getan hat.


„Du bist gut, wie du bist“ reicht nicht immer


Der Satz „Du bist gut, wie du bist“ kann in bestimmten Momenten tröstlich sein, aber er kann auch leer werden, wenn er bedeutet, dass man sich gar nicht mehr entwickeln muss. Natürlich hat jeder Mensch Würde und Wert, unabhängig von Leistung. Aber das heißt nicht, dass jedes Verhalten gut ist oder dass man nicht wachsen sollte.


Manchmal ist man nicht die Version von sich selbst, die man sein könnte, und genau das zu erkennen ist nicht grausam, sondern notwendig. Akzeptanz darf nicht bedeuten, sich selbst in den eigenen Ausreden einzurichten.



Mach es, bevor du bereit bist


Viele warten darauf, dass sie sich erst bereit, sicher oder selbstbewusst fühlen, bevor sie handeln. Aber meistens kommt dieses Gefühl nicht vorher, sondern danach. Man wird nicht mutig, indem man lange genug über Mut nachdenkt, sondern indem man etwas tut, obwohl Angst da ist.


Man wird nicht diszipliniert, indem man sich Disziplin affirmiert, sondern indem man aufsteht und handelt, auch wenn es unbequem ist. Genau so entsteht eine neue Identität: nicht durch Denken allein, sondern durch wiederholtes Verhalten.


Du wirst zu dem, was du tust


Am Ende ist die Frage nicht nur, was du über dich denkst, sondern was du jeden Tag tust. Wenn du dich wie jemand verhältst, der Verantwortung übernimmt, wirst du mit der Zeit anfangen, dich auch so zu sehen. Wenn du dich wie jemand verhältst, der ausweicht, klein bleibt oder sich selbst nicht ernst nimmt, wird auch das dein Selbstbild formen. Deshalb bringen Affirmationen allein oft so wenig. Nicht weil Gedanken unwichtig sind, sondern weil sie durch Handlung bestätigt werden müssen. Wer sich verändern will, muss sich selbst in der Realität begegnen, nicht nur im Kopf.

 
 
 

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