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Immer müde - Tue ich zu viel oder doch zu wenig?

Manchmal ist man tagelang, vielleicht sogar monatelang erschöpft und müde. Man denkt, man müsse sich einfach mehr ausruhen, früher ins Bett gehen, weniger Termine haben oder sich eine Pause gönnen. Und manchmal stimmt das auch. Wer dauerhaft über seine Grenzen geht, ständig unter Stress steht oder körperlich erschöpft ist, braucht Erholung. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass Müdigkeit nicht immer bedeutet, dass man zu viel macht. Manchmal bedeutet sie genau das Gegenteil.


Lange Zeit dachte ich, dass meine ständige Müdigkeit ein Zeichen dafür sei, dass ich mehr Ruhe brauche. Wenn ich mich nur ein paar Tage zurückziehen, weniger unternehmen oder einfach mal nichts machen würde, müsste die Energie doch zurückkommen. Doch genau das ist oft nicht passiert. Selbst an freien Tagen fühlte ich mich teilweise genauso schlapp wie vorher. Irgendwann wurde mir klar, dass das Problem nicht unbedingt war, dass ich zu viel gemacht habe, sondern dass ich zu wenig von den Dingen gemacht habe, die mich wirklich begeistern.



Bedeutung erzeugt Energie


Menschen sprechen oft über Energie, als wäre sie ausschließlich eine körperliche Ressource. Man schläft acht Stunden, isst gesund und hat dann automatisch Energie. So einfach scheint es aber nicht zu sein. Wer schon einmal verliebt war, voller Vorfreude auf eine Reise oder komplett begeistert von einem Projekt, kennt das Gefühl, plötzlich deutlich mehr Energie zu haben als sonst, obwohl man objektiv vielleicht genauso viel geschlafen hat.


Das liegt unter anderem daran, dass Motivation und Erwartung im Gehirn eine enorme Rolle spielen. Wenn wir etwas verfolgen, das für uns Bedeutung hat und worauf wir uns freuen, werden ganz andere Systeme aktiviert, als wenn wir etwas lediglich aus Pflichtgefühl tun. Man merkt das schon an kleinen Dingen. Um sechs Uhr morgens aufzustehen, um ins Büro zu fahren, kann sich unglaublich schwer anfühlen. Um sechs Uhr morgens aufzustehen, um zum Flughafen zu fahren und in den Urlaub zu fliegen, dagegen oft erstaunlich leicht. Der Unterschied ist nicht die Uhrzeit, sondern die Bedeutung, die wir der Situation geben.


Warum manche Arbeit Energie gibt und andere sie nimmt


Mir ist das besonders bei meiner eigenen beruflichen Entwicklung aufgefallen. In manchen Jobs war ich nach kurzer Zeit erschöpft, obwohl die Arbeit objektiv nicht besonders anstrengend war. Nach einer halben Stunde hatte ich innerlich schon das Gefühl, genug zu haben. Nicht weil ich faul war, sondern weil mir die Tätigkeit wenig bedeutet hat und ich keine echte Begeisterung dafür empfand.


Wenn ich dagegen an meiner Online-Praxis arbeite, Blogartikel schreibe, über Psychologie nachdenke oder Inhalte entwickle, kann ich stundenlang konzentriert bleiben, ohne ständig auf die Uhr zu schauen. Natürlich werde ich auch dort irgendwann müde, aber die Müdigkeit fühlt sich anders an. Sie entsteht nicht aus innerem Widerstand, sondern aus tatsächlicher Anstrengung. Das zeigt mir immer wieder, dass Energie nicht nur davon abhängt, wie viel wir tun, sondern auch davon, wofür wir es tun.


Vielleicht fehlt nicht Ruhe


Viele Menschen fragen sich bei Erschöpfung sofort, wie sie mehr Entspannung in ihr Leben bringen können. Das ist eine wichtige Frage, aber nicht immer die richtige. Genauso wichtig ist die Frage, worauf man sich eigentlich freut. Welche Ziele man verfolgt. Welche Zukunft man sich wünscht. Was einen neugierig macht. Was einen morgens freiwillig aus dem Bett holen würde.


Menschen brauchen nicht nur Sicherheit und Erholung. Sie brauchen auch etwas, das sie anzieht. Ein Projekt, eine Vision, eine Herausforderung oder einen Traum, auf den sie hinarbeiten können. Ohne diese Dinge kann das Leben schnell eintönig werden, selbst wenn objektiv alles in Ordnung ist.


Mehr Energie durch ein Leben, das zu einem passt


Deshalb lohnt es sich bei Müdigkeit nicht nur zu fragen, ob man weniger machen sollte, sondern auch, ob man die richtigen Dinge macht. Denn manchmal ist Erschöpfung tatsächlich ein Zeichen dafür, dass der Körper Ruhe braucht. Manchmal steckt Schlafmangel, Stress oder eine gesundheitliche Ursache dahinter. Manchmal zeigt Müdigkeit aber auch, dass dem eigenen Leben etwas fehlt, das Begeisterung, Vorfreude und Bedeutung erzeugt.


Menschen verfügen häufig über deutlich mehr körperliche und geistige Energie, als sie glauben. Der entscheidende Unterschied ist oft, ob diese Energie für etwas eingesetzt wird, das sich lebendig und sinnvoll anfühlt. Wer etwas verfolgt, das ihn wirklich interessiert, entdeckt nicht selten Reserven in sich, von denen er vorher gar nicht wusste, dass sie existieren. Vielleicht lautet die entscheidende Frage deshalb nicht nur: „Wie kann ich mich besser ausruhen?“, sondern auch: „Wofür lohnt es sich für mich überhaupt, voller Energie aufzustehen?“

 
 
 

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