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Ist Leiden einfach ein Teil des Lebens?

Vielleicht gehört Leiden einfach zum Leben dazu. Nicht als Ausnahme, sondern ein wenig auch die Regel. Wir sind verletzliche Wesen – körperlich und emotional. Allein deshalb ist ein Leben ohne Schmerz eigentlich keine realistische Vorstellung. Menschen werden krank, Beziehungen scheitern, Dinge gehen verloren, Pläne funktionieren nicht. Das passiert nicht nur manchen. Das passiert allen. Trotzdem versuchen viele von uns, möglichst schmerzfrei zu leben. Wir wollen stabil sein, zufrieden sein, glücklich sein. Und das ist verständlich. Glück fühlt sich gut an. Aber vielleicht entsteht ein Teil unseres Stresses genau daraus, dass wir glauben, es müsste immer so bleiben. Vielleicht hilft es manchmal, zu akzeptieren, dass es ein Leben ohne Leid nicht gibt.



Warum wir Schmerz so schwer akzeptieren


Wenn es uns schlecht geht, wollen wir das meistens schnell ändern. Wir suchen nach Lösungen, Strategien, Erklärungen. Das kann auch sinnvoll sein. Aber manchmal bedeutet es auch, dass wir gar nicht zulassen, dass schwierige Gefühle einfach da sein dürfen. Nicht jedes Leiden ist ein Zeichen dafür, dass etwas falsch läuft. Manches gehört es einfach dazu, wenn man sich auf das Leben einlässt. Akzeptanz heißt dabei nicht, dass man alles hinnimmt und drin versinkt. Es heißt eher zu erkennen, dass es Dinge gibt, über die wir keine Kontrolle haben. 


Die Idee, immer glücklich sein zu müssen


Heute entsteht leicht der Eindruck, ein gutes Leben müsse sich vor allem gut anfühlen. Möglichst wenig Konflikte, möglichst wenig Unsicherheit, möglichst wenig Schmerz. Aber wenn man genauer hinschaut, entstehen viele wichtige Erfahrungen genau dann, wenn etwas schwierig ist. Wer sich auf Nähe einlässt, kann verletzt werden, wer Verantwortung übernimmt, kann scheitern, wer Entscheidungen trifft, kann falsch liegen. Das lässt sich nicht vermeiden.


Wir sind verletzlich


Jeder ist abhängig von Dingen, die er nicht kontrollieren kann. Vom eigenen Körper, von anderen Menschen, von Zufällen, von Zeit. Schon das reicht eigentlich, um zu verstehen, dass ein Leben ohne Leid kaum möglich ist. Vielleicht macht genau der Versuch, alles kontrollieren zu wollen, vieles schwerer als nötig. Manchmal fühlt sich Akzeptanz überraschend entlastend an, nicht weil Probleme verschwinden, sondern weil man aufhört, gegen etwas anzukämpfen, das ohnehin dazugehört.


Was helfen kann, mit Leid umzugehen


Akzeptanz allein reicht aber oft nicht. Wenn Leid zum Leben gehört, braucht man auch etwas, das einen davor schützt, daran zu zerbrechen. Eine Möglichkeit ist Verantwortung zu übernehmen, für sich selbst zuerst, für den eigenen Alltag, den eigenen Körper, Entscheidungen, Beziehungen und manchmal auch für andere Menschen. Ähnlich beschreibt es auch Jordan B. Peterson: Das Leben bleibt schwierig, aber es wird erträglicher, wenn man versucht, jemand zu sein, der Verantwortung trägt, nicht weil dadurch alles leichter wird, sondern weil das eigene Handeln Bedeutung bekommt. Wenn man merkt, dass man gebraucht wird oder dass das eigene Verhalten einen Unterschied macht, verändert sich auch die Erfahrung von Leid, es wirkt weniger sinnlos. Verantwortung wird dann zu etwas, das schützt, nicht vor Schmerz, aber vor Hoffnungslosigkeit, man könnte sagen, sie schafft so etwas wie ein Dach über der eigenen Verletzlichkeit.


Vielleicht ist Glück nicht das Einzige Ziel

Natürlich wollen Menschen glücklich sein. Das ist normal. Aber vielleicht ist ein stabiles Leben nicht unbedingt ein schmerzfreies Leben. Vielleicht geht es eher darum, ein Leben zu führen, das auch dann noch trägt, wenn Dinge schwierig werden, ein Leben, in dem man weiß, wofür man aufsteht, wofür man Verantwortung übernimmt und warum man weitermacht. Und manchmal fühlt sich genau das ruhiger an als der Versuch, immer glücklich sein zu müssen.


 
 
 

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