Grenzen setzen – du musst "Nein" sagen können
Was ich im Job schnell gelernt habe
Was man ziemlich schnell lernt, wenn man im sozialen Bereich arbeitet – vor allem mit schwer psychisch kranken Menschen – ist: Wenn du keine Grenzen setzt, wirst du ausgenutzt. Und genau so ging es mir am Anfang. Klient:innen wollten mehr Zeit, wollten, dass ich Dinge für sie übernehme, für die ich eigentlich gar nicht zuständig bin. Und wenn man da nicht klar ist, verschiebt sich diese Grenze immer weiter. Nein sagen können – und es auch wirklich so meinen – ist extrem wichtig.
Das ist nicht nur ein Job-Problem
Mir ist irgendwann aufgefallen, dass das nicht nur im Job so ist. Das zieht sich komplett durch alle Lebensbereiche. Ob meine Mutter mich um 22 Uhr noch um einen Gefallen bittet, für den ich eigentlich keine Kraft mehr habe. Oder mein Vater mir ein Stück Kuchen andreht, obwohl ich auf Zucker verzichte. Da entscheidet sich, ob ich meine eigenen Grenzen ernst nehme oder nicht.
Nein sagen ist das Einzige, was uns schützt. Distanzieren, den Raum verlassen, wenn etwas zu viel wird. Wer schützt mich, wenn nicht ich? Wenn ich das nicht mache, wird es keiner für mich tun.

Ohne Grenzen geht Beziehung kaputt
Was viele nicht verstehen: Grenzen sind nicht das Problem in Beziehungen – sie sind die Voraussetzung dafür. Ohne Grenzen würde ich irgendwann im Job ausbrennen. Oder im privaten Kontext Dinge machen, die mir langfristig schaden. Und dann kommt der Punkt, wo es mir so schlecht geht, dass ich mich komplett zurückziehen muss. Grenzen sorgen dafür, dass ich überhaupt in Beziehung bleiben kann.
Wann merkt man, dass man eine Grenze setzen muss?
Eigentlich merkt man das ziemlich schnell, wenn man ehrlich ist. Dieses Gefühl von: Ich will das gerade nicht. Oder: Das ist mir zu viel. Oder: Ich habe keine Kraft dafür. Aber man ignoriert es oft. Sagt trotzdem ja und merkt dann, dass es einem nicht gut tut. Genau da ist die Grenze.
Standhaft bleiben
Und dann kommt der schwierigste Teil: dabei bleiben. Weil viele versuchen, Grenzen zu verschieben. Gerade wenn sie es gewohnt sind, dass du immer ja sagst. Wenn du da nicht standhaft bist, wirst du hin- und her geschüttelt und kippst irgendwann um.
Wir dürfen Grenzen setzen. Eigentlich müssen wir es sogar. Nicht gegen andere – sondern für uns selbst.



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